
Das Colosseum Berlin an der Schönhauser Allee 123 / Ecke Gleimstraße ist eines der traditionsreichsten Kinos Berlins – seine Geschichte beginnt aber nicht als Kino, sondern als Verkehrsbau.Kurzchronik:1890er Jahre – Pferdebahn und Wagenhalle
Das Gebäude entstand Ende des 19. Jahrhunderts als Betriebshof bzw. Wagenhalle der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn. Dort wurden Wagen und Pferde untergebracht; später wurde der Komplex als Omnibusdepot genutzt. Das Berliner Zentrum Industriekultur nennt die Nutzung als Pferdebahn-Wagenhalle und späteres Omnibusdepot bis 1918. 1924 – Eröffnung als Lichtspieltheater
Am 12. September 1924 wurde das Colosseum als Kino eröffnet. Es war damals ein großer Saal für Stummfilm, Varieté und Vorführungen mit orchestraler Begleitung. Berlin.de nennt 1.000 Plätze zur Eröffnung; andere Quellen sprechen von rund 1.200 Plätzen. 1930er/1940er – UFA, Krieg, ZwecknutzungenIn den 1930er Jahren wurde das Haus Teil der Berliner Kinolandschaft der UFA-Zeit. Im Zweiten Weltkrieg und unmittelbar danach wurde es nicht nur als Kino genutzt: Berlin.de erwähnt Lazarett und Wärmehalle, außerdem wurde das ausgebombte Metropol-Theater bis 1955 im Colosseum untergebracht. 1957 – DDR-PremierenkinoAm 2. Mai 1957 wurde das Colosseum nach Umbau wieder als Kino eröffnet. In der DDR war es zeitweise eines der wichtigen Premierenkinos Ost-Berlins; der rbb beschreibt es als Premieren- und Festivalkino, in dem in den 1980er Jahren auch westliche Filme liefen. Nach 1990 – Privatisierung und MultiplexNach der Wende wurde das Kino privatisiert. 1992 gehörte es zur Sputnik-Gruppe, später zur UCI-Gruppe. In den 1990er Jahren wurde das Haus massiv umgebaut: Neben dem historischen Saal entstanden moderne Kinosäle; das Colosseum wurde zum Multiplex mit insgesamt zehn Sälen. 2020 – Schließung und InsolvenzWährend der Corona-Pandemie schloss das Colosseum im März 2020. Es folgten Insolvenz, Verkaufspläne und Proteste bzw. Initiativen für den Erhalt des Kinos. Seit 2023 – Wiedereröffnung als Kino- und KulturortIm September 2023 wurde das Colosseum wiedereröffnet – zunächst mit Kinobetrieb in mehreren Sälen und zusätzlicher kultureller Nutzung. Berlin.de beschreibt das aktuelle Profil als Mischung aus gehobenem Mainstream, Special Interest, Festivals, Premieren und Sonderveranstaltungen.
Denkmalschutz: Das Colosseum ist denkmalgeschützt; die Berliner Denkmaldatenbank führt die Anlage Schönhauser Allee 123 als Gesamtanlage und das „Kino Colosseum“ als Teilobjekt mit Datierung 1924 und Umbau 1955–1957. Kurz gesagt: Das Colosseum ist ein typisches Berliner Transformationsgebäude: erst Pferdebahn- und Busdepot, dann Stummfilmpalast, DDR-Premierenkino, Nachwende-Multiplex, nach der Corona-Schließung wieder Kultur- und Kinostandort.
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