Marcel Reif, geboren 1949 im polnischen Wałbrzych, gehört zu den bekanntesten Sportjournalisten und Kommentatoren im deutschsprachigen Raum. Seine Biografie ist eng mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts verbunden: Sein Vater, ein polnischer Jude, überlebte den Holocaust nur knapp, viele Angehörige seiner Familie wurden ermordet. Nach der Emigration nach Israel kam Reif als Kind nach Deutschland und wuchs unter anderem in Kaiserslautern auf, wo er auch selbst Fußball spielte. Seinen Weg in den Journalismus begann er Anfang der 1970er Jahre beim ZDF. Dort arbeitete er zunächst in der politischen Redaktion, bevor er in den Sport wechselte und sich schnell einen Namen machte. Es folgten prägende Jahre bei ZDF, RTL, Premiere beziehungsweise Sky, später auch bei Sat.1, Sport1 und blue Sport. Über Jahrzehnte kommentierte Reif große nationale und internationale Fußballspiele und wurde mit seiner pointierten, präzisen und oft unverwechselbaren Sprache zu einer der markantesten Stimmen des Sports. Besonders legendär wurde seine improvisierte Moderation beim sogenannten „Torfall von Madrid“ 1998 gemeinsam mit Günther Jauch, als sich der Anpfiff eines Champions-League-Spiels wegen eines umgestürzten Tores lange verzögerte. Dieser Auftritt machte Fernsehgeschichte. Auch nach dem Ende seiner Karriere als Live-Kommentator blieb Reif als Experte, Kolumnist, Podcaster und öffentlicher Redner präsent. Zuletzt sorgte er mit seiner Rede im Deutschen Bundestag zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus für große Aufmerksamkeit. Heute lebt Marcel Reif in München.